PORTFOLIO - MATHIAS RICHTER
m.richter@geistbags.com
Instagram↗
Label: geistbags.com↗
Ich heiße Mathias Richter. Ich gestalte und baue Dinge für die physische Welt — von der ersten Skizze bis zum fertigen Objekt.
Zehn Jahre habe ich im Volkswagen Design Center Potsdam gearbeitet, zuerst als Interior Designer und danach als Filmemacher. Ich war leitender Interior Designer vom SEDRIC, dem ersten autonomen Konzeptfahrzeug des Konzerns. Zuletzt arbeitete ich an einem Sitzkonzept, das ich erfunden und als Prototyp umgesetzt habe, wurde patentiert und vier Jahre lang als Forschungsprojekt mit Porsche weiterentwickelt. Danach bin ich im selben Haus zum Film gewechselt und habe DD-VISION mitgegründet, eine interne Einheit für Storytelling und Filmproduktion: Buch, Regie, Kamera, Schnitt — und die Beratung der Teams, die ihre Projekte greifbar machen mussten.
Ende 2024 wurde das Potsdamer Studio geschlossen. Seitdem nähe ich Taschen. Geist↗ ist mein eigenes Label: handgefertigt, aus Naturfasern, in Kleinstserie. Entwurf, Schnitt, Fertigung, Marke, Website und Vermarktung mache ich selbst. Das Nähen habe ich von einer Schnittkonstrukteurin gelernt, die digitale Schnittentwicklung mir selbst beigebracht.
Der rote Faden ist nicht die Branche, sondern die Arbeitsweise: Ich will, dass zwischen der Idee und dem fertigen Objekt nichts verloren geht.
LEBENSLAUF (CV)
THE LIVING SEAT Forschungsprojekt der VW Group Innovation & Porsche
Rolle: Erfinder, Design- und Projektleiter
STAGE 1
THE DRIVER SCULPTURE
Am Anfang stand das Projekt Innovation Sculptures: Ideen für Luxus, Familie und Sport, gezeigt als abstrahierte Interieurs ohne Fahrzeug drumherum. Ich war für die Driver Sculpture verantwortlich.
Daraus entstand die Idee eines Sitzes, der jedem passt, sich von der harten Rennschale in einen bequemen Reisesitz verwandelt und extrem leicht ist. Vor allem sollte er seine Form verändern können: auf die Fahrsituation reagieren, dem Fahrer Signale über den Körper geben und ihn zugleich auslesen. Der Gedanke dahinter war derselbe wie in meiner Bachelorarbeit: Technik soll den Fahrer nicht vom Fahren abkoppeln, sondern ihn näher heranbringen.
Die Lösung war ein Sitz aus 3D-gestricktem Textil, teils rahmenlos, über Seilzüge gespannt und in seiner Geometrie veränderbar, mit eingestrickter Sensorik. Wir bauten einen 1:1-Sitz, ein Funktionsmodell im Maßstab 1:4 und Strickmuster mit Sensoren. Nach der internen Präsentation wollten die VW-Forschung und Porsche Motorsport das Projekt weiterführen.
STAGE 2
PROOF OF CONCEPT (POC)Das Ziel der zweiten Phase war einfach formuliert und schwer umzusetzen: den Sitz so weit bringen, dass er in ein echtes, schnelles Auto passt. Der Wechsel zwischen bequemer Sitzspannung und Rennschale sollte auf der Rennstrecke spürbar werden.
Parallel entwickelten wir mit dem Strickmaschinenhersteller Stoll und der FH Oberösterreich das 3D-Gestrick und die eingestrickte Sensorik weiter.
Der Sitz kam in einen umgebauten Porsche 911 Turbo. Porsche-Testfahrer testeten ihn und gaben uns wertvolle Rückmeldung. Das Konzept funktionierte, und das Projekt ging in die dritte Phase.
STAGE 3
PROOF OF EXPERIENCE (POX)Die größte Schwäche des Proof of Concept war der Einbau. Teile des Rahmens hingen am Überrollkäfig, die Seilaktuatorik und ihre Elektronik belegten die ganze Rückbank des 911. So war kein Serienauto vorstellbar. Das Konzept wurde gefeiert, aber für eine Serienentwicklung blieben zu viele Fragen offen.
In der dritten Phase brachten wir deshalb den gesamten Aufbau samt Aktuatorik in einem Sitz normaler Größe unter. Eingebaut in einen Porsche Taycan, ließ er hinten ganz normal Platz für Mitfahrer. Dazu kamen neue Funktionen zum Spüren: mehr Seitenhalt in der Kurve und ein haptisches Warnsignal.
Außerdem zeigten wir zum ersten Mal einen Sitzbezug, der in einem einzigen Arbeitsgang gestrickt war, und die ersten komplett gestrickten Sensormatten.
FAZIT
Der Living Seat wurde begeistert aufgenommen. Das Fahrgefühl war etwas Besonderes, und das Potenzial für die Vermarktung war offensichtlich. Trotzdem ist seine Zukunft ungewiss.
Aus meiner Sicht lag das an zwei Dingen, und beide haben mit Geld zu tun. Der Sitz war auch in seiner letzten Form zu teuer, und radikale Forschung ließ sich nicht lange finanzieren. Das Konzept war so neu, dass es die gesamte Zulieferkette umgekrempelt hätte. Für viele war das ein zu großes Risiko.
Was wir hätten anders machen müssen: viel früher einen Business Case entwickeln, der den Entscheidern einen Gegenwert in Aussicht stellt. Das haben wir vernachlässigt.
Dennoch war der Living Seat einer der wichtigsten Projekte an dem ich je arbeiten durfte. Und das besonders durch ein grandioses Team mit einer klaren Vision.